Kobersdorf

Vor- und Frühgeschichte: Besiedelung der Gegend bereits in vorgeschichtlicher Zeit

Unsere Gegend war sicherlich schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Funde beweisen, dass im mittleren Burgenland von den Kelten in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten eine intensive Eisenverhüttung betrieben worden war. Während der Römerzeit (1.-4. Jh. v. Chr.) war unser Landstrich ein Teil der Provinz Pannonien; in den anschließenden Jahrhunderten der Völkerwanderung durchstreifte eine Vielzahl von Völkerschaften unsere Gegend. Germanenstämme, Awaren und Slawen, dann wiederum deutsche Siedler in der unter dem Frankenkaiser Karl dem Großen erricheten Ostmark prägten unsere Geschichte.

860 n. Chr.: Erste Nennung eines "Kundpoldesdorf"

In einer Schenkungsurkunde König Ludwig des Deutschen an den Salzburger Erzbischof Adalwin aus dem Jahr 860 wird unter anderem auch ein "Kundpoldersdorf" genannt. Einige Fachleute vertreten die Meinung, dass es sich hierbei um das heutige Kobersdorf handeln könnte.

1073-1229

1073 gehörte Kobersdorf mit Schwarzenbach, Steinbach, Forchtenstein und Landsee zur Grafschaft Pitten. Die Burg Kobersdorf wurde in der Zeit von 1222-1229 erbaut. Damals hatte ein gewisser Graf Pousa - für seine getreuen Verdienste dem ungarischen König Andreas II. gegenüber - den Landstrich um Weppersdorf und Lackenbach als Schenkung erhalten und mit dem Bau einer Wasserburg in Kobersdorf begonnen. Erstmals urkundlich erwähnt wurden die Burg und die umliegende Gemeinde im Jahr 1229, als der ungarische König Béla IV. dem Grafen Pousa aus Ödenburg die Besitzungen Kobersdorf, Nebersdorf, Warasdorf, Lackenbach, Zelusbic, Ratchu und Weppersdorf bestätigte.

ab 1229: Fertigstellung der Burg, die Herrschaft Kobersdorf wird gegründet

Mit der Fertigstellung des Burgbaues wurde die kleine Herrschaft Kobersdorf begründet. Der Ortsname erklärt sich aus dem im Jahr 1263 genannten Bachnamen "Kobilica", d.h. "Stutenbach" - gemeint ist der heutige Schwarzenbach, der in seinem Oberlauf als Roßwasser bekannt ist. Diese Bezeichnung wurde eine Zeitlang zu "Koboldsdorf".

Im Jahre 1280 verlieh König Ladislaus IV Kobersdorf dem Geschlecht der Csák. Im Zuge der Güssinger Grafen durch Herzog Albrecht I. von Österreich im Jahr 1289, wurde die Burg erobert, später aber (1291) wieder an Ungarn zurückgegeben.

Während der Türkenkriege zählte Kobersdorf zu den wichtigsten gegen Osten ausgerichteten Bollwerken des abendländischen Verteidigungsgürtels. Als das Gebiet der Herrschaft Kobersdorf an die Forchtensteiner Grafen kam, wurden Oberpetersdorf und das Gebiet des späteren Kalkgruben mit der Herrschaft Kobersdorf vereinigt.

ab 1442: Die Herrschaft gelangt an die Familie Weißpriach

Der Protestantismus fand in Kobersdorf schon verhältnismäßig früh Eingang. Die Herrschaft Kobersdorf gelangte 1452 infolge einer Verpfändung an die Familie Weißpriach, die durch Hinneigung zur Reformation auch in unserer Gemeinde die Glaubensänderung einleitete. Erst im Jahr 1663 schien erstmals wieder ein katholischer Pfarrer in Kobersdorf auf.

ab 1463: Kobersdorf erhält das Marktrecht, die Wasserburg wird zum Schloß umgestaltet

1463 erhielt Kobersdorf von Kaiser Friedrich III. das verbriefte Marktrecht, das 1651 durch Kaiser Ferdinand III. nocheinmal feierlich bestätigt wurde. Ab 1564 war Johann Csòron de Devecswer Baron von Kobersdorf. Um 1568 wurden von ihm Lindgraben und Tschurndorf gegründet. Bis 1626 - inzwischen war bereits die Wasserburg Kobersdorf zum "Neuen Schloss" umgestaltet worden - hatten sich Ungarn und Habsburger oft in rascher Folge im Besitz der Herrschaft abgewechselt. In diesem Zeitpunkt - Kobersdorf wurde in das ungarische Staatsterritorium eingegliedert - hatte es zu den sogenannten "verschwiegenen" Herrschaften gezählt, die weder in Österreich noch in Ungarn besteuert worden waren.

ab 1683: Johann Kery übernimmt die Herrschaft

1638 übernahm Johann Kery die Herrschaft. 1654 erfolgte der Umbau und die Erweiterung zum Barockschloss Kobersdorf. Sein Sohn Franz Kery und der Verwalter Andreas Miklossy brachten 1683 ihre Untertanen durch Gewalt zum Übertritt zum katholischen Glauben. Zur Herrschaft Kobersdorf gehörten Weppersdorf, Stoob, Kalchgrub, Tschurambdorf, Lindgraben und seit 1667 auch Neudorf bei Landsee. Im Jahr 1683 waren die Türken vor Wien endgültig vernichtend geschlagen worden. Auf ihrem Rückzug ließen sie eine blutige Spur der Verwüstung zurück, von der auch Kobersdorf schwer betroffen war.

ab 1704: Fürst Paul Esterhàzy erwirbt die Herrschaft

Im Jahr 1704 wurde die Herrschaft Kobersdorf durch Fürst Paul Esterhàzy käuflich erworben; heute gehören den Esterhàzys noch große land- und forstwirtschaftliche Flächen, die durch die Stiftung verwaltet und bewirtschaftet werden. Die Schlossanlage blieb bis 1963 im Esterhàzyschen Besitz; dann wurde sie an die Familie Bolldorf-Grazigna verkauft.

1895: Ein Hochwasser verwüstet Kobersdorf

1895 wurde Kobersdorf durch eine Hochwasserkatastrophe verwüstet; 19 Menschenleben waren zu beklagen, an die 30 Häuser wurden zerstört. Noch immer wird am 6. Juni eines jeden Jahres dem "Wassertag", der schrecklichen Katastrophe, durch Gottesdienste gedacht.

1914 bis 1945: Erster und Zweiter Weltkrieg, die Synagoge wird stark zerstört

Die beiden Weltkriege gingen auch an Kobersdorf nicht spurlos vorüber; im Verlauf der Ausschreitungen im November 1938 wurde die Synagoge stark zerstört, jedoch überstand sie als eine der wenigen in Österreich den Nationalsozialismus und steht heute unter Denkmalschutz. Mit großem Fleiß ging die Bevölkerung an den Wiederaufbau heran.

ab 1950: Kanalisierung und Bachregulierung, Ausbau der Ortsdurchfahrt

In den 50er Jahren begann man mit der Kanalisierung und Bachregulierung, dem Ausbau der Ortsdurchfahrt, der Neugestaltung der Parkanlagen, auch Sportplätze wurden angelegt.

ab 1967: Kobersdorf wird Schulzentrum, 1970 - 1973 wird die "Franz Jonas Zentralschule" erbaut

Seit dem Jahr 1967 ist Kobersdorf Schulzentrum. 1970 bis 1973 wurden mit dem Bau der "Franz-Jonas-Zentralschule" die räumlichen Voraussetzungen im Bildungsbereich geschaffen. Die Eröffnung der Gemeindebücherei und die Gründung der Musikschule dienen nicht nur dem Angebot sinnvoller Freizeitgestaltung, sondern sind auch eine große Bereicherung der kulturellen Aktivitäten.